Sozio-kulturelle Projekte

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, möchte sie eigentlich wieder schließen. Überall begegnet man gesellschaftlichen Missständen. Missständen, denen gegenüber man sich als denkender Mensch verantwortlich fühlen muss.
Dies brachte mich zu einigen soziokulturellen Projekten. Das erste hatte den Titel „Die Vergessenen“ und wurde in unserer Galerie 2008 ausgestellt. Neun Menschen hatte ich getroffen. Neun Menschen, über die die Gesellschaft hinweg blickt. Da war der obdachlose Freddy. Ein lieber Mann, der Opfer von Ereignissen, seiner eigenen Schwäche und dem Alkohol ist. Da war der Bestatter Wieners, der täglich mit dem Tod zu tun hat und den viele daher meiden. Da waren Dirk und Patrick, die beiden Förderschüler, die mit sechzehn schon wussten, dass das Leben nichts mehr für sie bereithält.
Der Kontakt zu dieser Förderschule mündete in einem weiteren Projekt, was wir in der Galerie Alfred-Schmidt-Haus 2009 realisierten. Eine Literatur-Woche sollte jene ans Schreiben bringen, die sonst noch nicht einmal lesen. Aus einem Haufen pubertierender Jungs wurde binnen einer Woche eine engagierte Gruppe Jungschriftsteller, die sich nicht scheute, ihre Arbeit einem Publikum vorzustellen. Ein wundervoller Erfolg!
Derzeit läuft ein weiteres Projekt dieser Art. Es ist das „Bergmannsglücker Bildungsprojekt“, auch eine Kooperation mit der angesprochenen Förderschule an der Bergmannsglückstraße. Die Anwohner dieser Straße haben ganz unterschiedliche Berufe, aber in diesen eine enorme Kompetenz und Erfahrung. Und genau diese tragen sie nun in die Schule. Jeder, der hier mitmacht, gestaltet eine Doppelstunde für eine Klasse. Der individuelle Aufwand also hält sich in Grenzen, der Effekt aber ist groß. Denn alle Beteiligten begeben sich auf ein ganz neues Gebiet. Es kommt zu außerordentlichen Begegnungen und Gesprächen. Und ganz nebenbei lernen die Kinder alltagsnah in den unterschiedlichsten Bereichen. Der pensionierte Steiger erklärt den Bergbau, der frühere Funk- und Fernsehtechniker erläutert das Telefon und seine Entwicklung. Meine Mutter, Monika Schmidt-Brockmann, gestaltet eine Kunststunde. Und dies sind nur Beispiele für dieses fast kostenlose Projekt, das aber für alle von unschätzbarem Wert ist. Aktuelle Informationen zu diesem Projekt gibt es auch hier…